Wir erinnern uns: Stimmen × Ohren : Menschen² = Resonanz
Was ist Europa? Und was ist das Europäische Literaturfestival Köln-Kalk? Resonanz, Mehrstimmigkeit, Klang- und Möglichkeitsraum; eine Utopie, die losgelöst von politischen, kulturellen, sprachlichen oder geografischen Grenzen ist – dieses Jahr schon zum dritten Mal.
Wieder einmal tritt die ELK’sche Formel in Kraft. Wieder einmal hören wir Stimmen. Wieder einmal sind Kunst und Literatur die Mittel der Wahl. Und wieder einmal steht die Utopie des ELKs in drastischem Widerspruch zu den politischen Fakten Europas und zur aktuellen Situation der Welt.
Wie verhalten wir uns dazu? Tauschen wir die perfekt passende, samtene Abendgarderobe gegen Tarnkleidung? Die mehrstimmigen Resonanzräume gegen eintönige Lautsprecherchöre? Die Utopie gegen eine Dystopie? – All das müssen wir nicht tun, denn es geschieht ohnehin.
Während sich im letzten Jahr Menschen aus dem Home-Office heraus in den vermeintlich sozialen Medien darüber angegiftet haben, welches Leben, welcher Beruf, welche gesellschaftliche Sparte wie viel Geld wert ist, wer wie wo wann und in welchem Maße vernachlässigt wird, haben wir unsere Mittel genutzt, um den öffentlichen Raum zu öffnen und Dichterinnen eine Bühne zu geben. In diesem Jahr wird diskutiert, wer wie wo wann in den Urlaub fahren und fliegen darf, und ob es gerechtfertigt ist, die Maskenpflicht erst in den Clubs, und dann erst in den Schulen fallen zu lassen. Wir geben Dichterinnen eine Bühne. Weil die Stimmen da sind, um gehört zu werden.
Beziehungsstatus Europa: es ist kompliziert. Die Aufgabe lautet: Mit Europa gegen Europa – für Europa. Weniger komplex lässt sich das Europäische Literaturfestival Köln Kalk 2021 nicht einleiten. Wir aber beharren darauf, dass Komplexität kein Ausschlusskriterium ist.
Wir beharren darauf, gegen Schmerz, Wut und Abschottung die Hoffnung aufrechtzuerhalten.
Wir beharren auf dem Traum Europa.