Editorial: Europäische Literaturfestival Köln-Kalk 2026

Seit 2019 versammelt sich das Europäische Literaturfestival Köln-Kalk (eLk) jedes
Jahr am ersten Septemberwochenende in Kalk. Was als Austausch zwischen Kölner
und Athener Literaturschaffenden begann, ist zu einem festen Bestandteil der Kalker
Kulturlandschaft geworden – getragen von einem wachsenden internationalen
Netzwerk aus Autor:innen, Übersetzer:innen, Kurator:innen und einem Publikum, das
von Jahr zu Jahr vielfältiger wird.

Denn mit der achten Ausgabe geht das eLk einen bewussten Schritt weiter. Unter
dem Schwerpunktthema „Scham“ verlässt das Festival erstmals die zentrale
Platzstruktur und flaniert durch das Veedel: Orte, die für manche Menschen
Schwellen sind, werden zu Orten der Begegnung. Scham wird so nicht nur
verhandelt, sondern im Raum selbst erfahrbar – als Thema, das man betritt, nicht nur
liest.

Auch strukturell kehrt das eLk 2026 zu sich selbst zurück, indem es sich verändert:
Erstmals übernimmt das Integrationshaus e.V. die Hauptverantwortung und
Antragstellung, während KLiteratur, KUNTS e.V. und die parasitenpresse die
kuratorische Arbeit weitertragen. Ein Rotationsmodell, das das Festival nicht auf
einzelne Schultern verteilt, sondern auf viele – und das genau darin seine
Nachhaltigkeit findet.

Diese Acht ist keine Bilanz. Sie ist eine Bewegung: das Zurückkehren an einen Ort,
um ihn neu zu sehen; das Wiederholen eines Versprechens, um es zu erweitern.
Wofür das eLk seit sieben Jahren steht, gilt auch für die achte Ausgabe – für ein
Europa des Austauschs statt der Abschottung, für Literatur ohne Eintritt und ohne
Allüren, für ein gemeinsames Wohnzimmer, in dem Sprachen und Herkünfte keine
Grenzen, sondern Anlässe zur Begegnung sind. Dieses Fundament haben wir 2024
erstmals schriftlich festgehalten: in der eL-k’arta, unserer Selbstverpflichtung zu
Freiheit, Gleichberechtigung und der Achtung menschlicher wie nichtmenschlicher
Vielfalt. Sie folgt im Anschluss an dieses Editorial.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen, Entdecken und Wiederentdecken.
Das Kuratorinnen:team des Europäischen Literaturfestivals Köln-Kalk #8
gemeinsam mit dem Integrationshaus e.V. und der parasitenpresse

eL-k’arta

Präambel

Die Macher:innen eLks sind entschlossen, auf der Grundlage gemeinsamer Visionen
eine literarische Zukunft mit Vielen zu teilen, indem sie sich zu einer Festivalsunion in
Köln-Kalk jährlich zusammenfinden.

In dem Bewusstsein ihres philosophischen, historischen und gegenwärtigen Erbes
gründet sich die Festivalsunion auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde
des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität. Sie stellt den
Menschen, die Literatur, die Sprachen und das Miteinandersein in den Mittelpunkt
ihres Handelns, indem sie mit dem Festival einen Raum der Freiheit, des Genusses
und des Beisamenseins begründet.

Das eLk trägt zur Erhaltung und zur Entwicklung dieser gemeinsamen Werte unter
Achtung der Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Traditionen der Menschen Europas
und darüber hinaus auf lokaler Ebene bei. Das eLk ist bestrebt, eine ausgewogene
und nachhaltige Entwicklung zu fördern und stellt den freien Personen-, Literatur-,
Sprachen- und Stimmenverkehr sowie die Aufenthaltssfreiheit auf dem Ottmar-Pohl-
Platz sicher.

Die Austragung des eLk ist mit Verantwortung und mit Pflichten sowohl gegenüber
den Mitmenschen als auch gegenüber der menschlichen Gemeinschaft und den
künftigen Generationen verbunden.

§ 1 Freier Personen-, Literatur-, Sprachen- und Stimmenverkehr sowie
Aufenthaltsfreiheit:

Die Mutter aller universellen Rechte ist die Freiheit. Wir brauchen Freiheit, denn ohne
Freiheit können wir nicht Zuhause sein. Das Recht der freien Rede, der Publikation,
der (Mutter-)Sprachen und deren Pflege, das Recht der Versammlung und der
Organisation, das Recht des Aufenthalts an Orten und Plätzen, das alles bedeutet
Freiheit. Das eLk ist bestrebt, diese Freiheit im Rahmen des Festivals allen zu
gewähren und dafür einzustehen. Auch gegenüber Ordnungs- und
Ausländer:innenämtern.

§ 2 Achtung und Liebe der Vielfalt der Menschen, der Kulturen, Sprachen und
Traditionen der Menschen:

Diese Menschenrechte sind kein Geschenk und keine Gnade. Sie sind Rechte, die
wir alle besitzen und die uns zustehen, unabhängig davon, wo wir geboren sind.
Niemand kann uns Rechte, Kulturen oder Sprachen absprechen. Die Europäische
Union meint sich darüber streiten zu müssen, ob Menschenrechte verhandelbar sind.
Das eLk nicht.

§ 3 Gleichberechtigung: Jedes eLksche Wesen ist allen anderen gleichgestellt. Das
gilt insbesondere für Persönlichkeit, Würde und Freiheit aller menschlichen und
nichtmenschlichen Personen.

Diese grundlegenden Rechte zu schützen, sie laut zu verkünden und ständig zu
wiederholen, ist das oberste Ziel des eLks. Wir laden euch ein, weitere Recht und
Artikel zu finden, festzuhalten und vorzuschlagen.